

OBIS Codes – Bedeutung, Aufbau und Anwendung in der Energieverbrauchserfassung
Möchte man Energieverbräuche digital erfassen und systemübergreifend auswerten, ist eine eindeutige Kennzeichnung der Messwerte unerlässlich. Genau hier kommen sogenannte OBIS Codes zum Einsatz. Sie sorgen dafür, dass Messdaten eindeutig identifiziert und korrekt interpretiert werden können – unabhängig vom eingesetzten Gerät oder Hersteller.
Insbesondere bei der Anzeige von Messwerten sowie bei standardisierten Kommunikationsprotokollen wie dem M-Bus spielen OBIS Codes eine zentrale Rolle in der modernen Energieverbrauchserfassung.
- Was sind OBIS Codes?
- Aufbau eines OBIS Codes
- Typische OBIS Codes und ihre Bedeutung
- Wo werden OBIS Codes verwendet?
- Abgrenzung zu Modbus RTU
- Vorteile von OBIS Codes
- OBIS Codes bei EMU Energiezählern
- Typische Fehler im Umgang mit OBIS Codes
- FAQ
Was sind OBIS Codes?
OBIS steht für „Object Identification System“ und beschreibt ein standardisiertes Kennzeichnungssystem für Messwerte in Energiezählern.
Jeder Messwert wird dabei durch einen eindeutigen Code beschrieben, der angibt, welche physikalische Größe dargestellt wird. Dazu gehören unter anderem:
- Energieverbrauch
- Leistung
- Spannung
- Strom
- Frequenz
Durch diese Standardisierung können Messwerte eindeutig interpretiert werden, ohne dass zusätzliche Informationen erforderlich sind.
Aufbau eines OBIS Codes
Ein OBIS Code besteht aus mehreren Zahlenblöcken, die jeweils eine bestimmte Bedeutung haben.
Typischer Aufbau: A-B:C.D.E*F
Die einzelnen Stellen beschreiben beispielsweise:
- Medium (z. B. Elektrizität, Gas, Wasser)
- Messgröße (z. B. Energie oder Leistung)
- Tarif oder Zählwerk
- Zeitbezug
In der Praxis wird häufig eine verkürzte Darstellung verwendet, zum Beispiel:
1.8.0
Diese kompakte Schreibweise ist insbesondere bei Energiezählern und in Auslesesystemen üblich.
Typische OBIS Codes und ihre Bedeutung
Bestimmte OBIS Codes haben sich in der Praxis als Standard etabliert und finden sich in nahezu allen Energiezählern wieder.
Energieverbrauch (Bezug)
- 1.8.0 → Gesamtwirkenergie Bezug
- 1.8.1 → Wirkenergie Tarif 1
- 1.8.2 → Wirkenergie Tarif 2
Energieeinspeisung
- 2.8.0 → Gesamtwirkenergie Einspeisung
Momentanwerte
- 16.7.0 → aktuelle Wirkleistung
- 32.7.0 → Spannung L1
- 31.7.0 → Strom L1
Weitere wichtige Werte
- 14.7.0 → Frequenz
- 13.7.0 → Leistungsfaktor
Diese standardisierten Codes ermöglichen eine eindeutige Zuordnung der Messwerte und sind unabhängig vom Hersteller identisch definiert.
Wo werden OBIS Codes verwendet?
OBIS Codes werden vor allem dort eingesetzt, wo Messwerte standardisiert dargestellt oder übertragen werden.
Typische Einsatzbereiche sind:
- Anzeige am Energiezähler (Display)
- Kommunikation über M-Bus
- Energiemanagement- und Auslesesysteme
Ein wesentlicher Vorteil liegt darin, dass die Messwerte eindeutig identifiziert werden können, ohne dass eine zusätzliche Beschreibung notwendig ist.
Abgrenzung zu Modbus RTU
Im Gegensatz zu anderen Kommunikationsprotokollen werden OBIS Codes nicht bei Modbus RTU übertragen.
Bei Modbus erfolgt die Datenübertragung über feste Register. Die Bedeutung der Messwerte ist dabei nicht im Datenpaket enthalten, sondern muss im jeweiligen System hinterlegt sein.
Das bedeutet:
- M-Bus / Anzeige: selbstbeschreibende Daten mit OBIS Codes
- Modbus RTU: registerbasierte Daten ohne OBIS Kennzeichnung
Die Interpretation der Daten erfolgt bei Modbus somit immer über eine zuvor definierte Registerliste.
Vorteile von OBIS Codes
Die Verwendung von OBIS Codes bietet insbesondere in der Praxis der Energieverbrauchserfassung klare Vorteile:
- eindeutige Identifikation von Messwerten
- herstellerübergreifende Standardisierung
- reduzierte Fehler bei der Dateninterpretation
- einfache Integration in Auslesesysteme
Gerade bei der Kombination verschiedener Geräte und Systeme sorgt dies für eine deutlich höhere Transparenz und Zuverlässigkeit.
OBIS Codes bei EMU Energiezählern
Die Energiezähler von EMU Metering nutzen standardisierte OBIS Codes zur eindeutigen Kennzeichnung von Messwerten.
Dadurch wird sichergestellt, dass die bereitgestellten Daten:
- eindeutig interpretierbar sind
- problemlos in bestehende Systeme integriert werden können
- konsistent und strukturiert zur Verfügung stehen
In Kombination mit M-Bus oder der Anzeige direkt am Gerät ermöglichen OBIS Codes eine besonders einfache und sichere Auswertung von Verbrauchsdaten.
Typische Fehler im Umgang mit OBIS Codes
Auch wenn OBIS Codes standardisiert sind, kommt es in der Praxis immer wieder zu Fehlinterpretationen.
Häufige Ursachen sind:
- Verwechslung von Bezug und Einspeisung
- falsche Zuordnung in der Auslesesoftware
- unvollständige Dokumentation der verwendeten Codes
Daher ist es wichtig, die verwendeten OBIS Codes im System klar zu definieren und zu überprüfen.
FAQ
Was bedeutet der OBIS Code 1.8.0?
Der Code 1.8.0 steht für die gesamte bezogene Wirkenergie eines Zählers.
Werden OBIS Codes immer übertragen?
OBIS Codes werden typischerweise bei der Anzeige am Zähler oder bei der Kommunikation über M-Bus verwendet. Bei Modbus RTU erfolgt die Zuordnung über Register, nicht über OBIS Codes.
Sind OBIS Codes genormt?
Ja, OBIS Codes sind standardisiert und ermöglichen eine herstellerübergreifende Interpretation von Messwerten.
Warum sind OBIS Codes wichtig?
Sie sorgen dafür, dass Messwerte eindeutig identifiziert werden können und bilden damit die Grundlage für eine zuverlässige Datenauswertung.